16.3.2010 von admin.
Hilfreich und nützlich wäre es, hin und wieder einmal einen Blick in die auf den Müllhaufen der Geschichte entsorgte psychoanalytische Literatur zu werfen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie Realitätsverweigerung und Anpassungprozesse funktionieren.
Das würde vor allem helfen, sich keine vorschnellen Illusionen oder vereinfachten Vorstellungen davon zu machen, wie die Menschen (hierzulande) auf die allseits beschworene “Krise” reagieren (werden). Hilfreich würde es mitunter auch sein, den Schreibtisch zwischendurch zu verlassen, und einmal dahin zu gehen, wo es weht tut. Gewiß hat nicht jede/r Zeit und Muße, bspw. militante Untersuchungen anzustellen, aber etwas mehr Realitätssinn könnte auch den hiesigen (Links-)Intellektuellen oft nicht schaden.
Bei aller berechtigten Skepsis gegenüber statistischen Methoden, qualitativer Sozialforschung und dem Positivismus von Fakten, Zahlen und Einzelphänomenen, scheint es jedoch so etwas wie ein tiefes Unbehagen zu geben, die Empirie überhaupt noch wahrzunehmen. Jeder Hinweis darauf, kann schnell als Intellektuellen- oder Theoriefeindlichkeit vom Tisch gewischt werden.
So verrät die nicht mehr zu überschauende Artikelflut über wahlweise die “Finanzkrise”, die “Krise der Arbeit” oder die “Krise der kapitalistischen Normalität” mehr über deren Verfasser/-innen als über den behandelten Gegenstand. Argumentiert wird in erster Linie historisch, ideologie- oder auch kulturkritisch. Selten jedoch werden die vorgebrachten Argumente durch überprüfbare Tatsachen gestützt. Das gilt für den konservativen Leitartikler genauso wie für die aufgeklärte Pop-Feministin oder die antideutsche Theoriegruppe.

“Das Wort Krise hat sich zu einem Passepartout entwickelt, zu einer Gemeinschaft stiftenden Abnickvokabel. Es muss nur einer Krise sagen – sofort erzeugt er flächendeckend Affirmation: Krise, ja, genau. Krise ist die Konsensmilch der lammfrommen Denkungsart. Kaum ein Kommentar wird geschrieben, der nicht eingangs mit der Krise hantiert. Das Wort ist unspezifisch und wattig und genau deshalb universell einsetzbar. Wer Krise sagt, muss nicht konkret werden, egal, ob er mit der Krise droht oder suggeriert, er nähme alle mit ins Krisenrettungsboot. So leicht ist ein Kollektivgefühl zu erzeugen: Die Weltwirtschaft in der Krise, also die Welt, also alle, also wir alle. Unterschiede verschwimmen oder verschwinden ganz.” (Wiglaf Droste in der jungen welt v. 19.9.09)
Deshalb an dieser Stelle ein kleines, aber schwieriges Rätsel: Ist die BRD nun die “Avantgarde der Panik” und die “Speerspitze der Hysterie“ (ISF Freiburg) oder herrscht in diesem Land eher Indifferenz und allgemeine Realitätsabwehr oder stimmt evtl. sogar beides oder noch besser, gilt das nicht auch und vielleicht in besonderem Maße für die Linksintellektuellen?
Wenn Sie sich mit dieser Frage lange genug gequält haben, können Sie - gewissermaßen als intellektuelle Lockerungsübung und als kleine Inspiration - zum Schluss noch das hier anschauen ->.
Viel Spaß beim Kopfzerbrechen!
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25.2.2010 von admin.
Die Ablehnung als akzeptierte Option zur Beantwortung einer Frage
Ein Gedankenentwurf
An all diejenigen, die ein Problem damit haben, NEIN zu sagen.
An all diejenigen, die ein schlechtes Gefühl dabei haben, NEIN zu sagen.
An all diejenigen, die glauben, sich für ein NEIN rechtfertigen zu müssen.
Die Antwort NEIN ist nicht schlechter als die Antwort JA.
Die Antwort JA ist nicht besser als die Antwort NEIN.
Jedes NEIN kann auch ein JA zu etwas anderem sein.
Jedes JA kann auch ein NEIN zu etwas anderem sein.
Zu oft erleben wir Menschen, die sich mit einem Bündel gegebener Zusagen herumplagen. „Ich muss, ich muss…“ oder „ich müsste eigentlich noch“ klingt es aus ihren Mündern. Dieser Zwang prägt ihre Sprache und ihr Auftreten. Von einem JA zum anderen wird gehetzt und dabei viel zu oft der Kampf gegen die Uhr geführt, der meist nur verloren werden kann.
Hinzu gesellt sich der Kampf gegen das eigene Ich, welches eigentlich gerne … würde, aber etwas ganz anderes „muss“.
Am Ende bleibt ein diffuses Gefühl der Unzulänglichkeit, weil nicht genug geschafft wurde.
Am Anfang kann jedoch auch ein freundliches NEIN! stehen.
Abenteuer und Freiheit

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18.2.2010 von admin.
Nachdem nun schon seit ein paar Jahren Strategien der Kommunkationsguerilla in der Werbebranche adaptiert und allerorten Techno-Raves und sogenannte „Flashmobs“ in den Innenstädten als „irgendwie neue subversive Form“ des Protests gefeiert werden, entdeckt nun auch die Neue Rechte die vermeintlich „provokativen“ Methoden der Spaßguerilla für sich.
Und immer wieder soll das alles irgendetwas mit den Situationisten zu tun haben. Was bloß? Wenn dem Spektakel jedoch nur ein anderes entgegengesetzt werden soll, können wir uns ja getrost noch einmal umdrehen und unseren Winterschlaf fortsetzen.
Im Netz gefunden:

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15.1.2010 von admin.
„Ich reise daher nie ohne Bücher, ob Krieg oder Frieden. […] …doch es pflegt Tage und Monate zu dauern, ehe ich sie zur Hand nehme. Ich werde es demnächst tun, sage ich mir, morgen vielleicht oder wann immer ich Lust hierauf habe. Inzwischen läuft die Zeit dahin und vergeht, ohne mich zu ängstigen, denn es läßt sich gar nicht sagen, ein wie beruhigendes Gefühl mir das Bewußtsein gibt, daß die Bücher mir zur Seite stehen, um mich, sobald ich ihrer bedarf, zu erfreuen. Die Erkenntnis, welch große Hilfe sie für mein Leben bereithalten, gibt mir Sicherheit. Sie sind die beste Wegzehrung, die ich für unsere irdische Reise gefunden habe, und ich bemitleide zutiefst alle Menschen von Verstand, die ihrer ermangeln.“
(Michel de Montaigne)

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25.11.2009 von admin.
Da schwurbelt also Peter Sloterdijk gegen uns tapfere Arbeitsverweigerer. Wir schwurbeln zurück und bestellen uns den passenden Kapuzenpullover von monochrom. Unterschichten-Mode für den Menschenpark.
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12.11.2009 von admin.
Nur, um daran zu erinnern: die Gründungsverbrechen des wiedervereinigten Deutschlands:
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27.10.2009 von admin.
Wer hat ihn denn nun zuerst gebrüllt, den Spruch „Wir sind ein Volk“? DeutschlandRadio machte sich schon vor ein paar Jahren daran, diese identitätsstiftende Frage zu klären. Ein Kotau vor der Nabelschau!
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20.10.2009 von admin.
Wir wussten es doch: Punk hat überlebt. Nicht nur bei der Hedonistischen Internationale, nein, auch in den Büros und Chefetagen. Auch da wird mal die eine oder andere Nacht durchgemacht und auf die Gesundheit und den Schlaf geschissen. Er ist also noch quicklebendig, der Geist von D.I.Y. und Selbstverschwendung. No Risk no fun!
Der Chefredakteur des Zentralorgans dieser neuen Rebellen im O-Ton:
„Wir verbringen oft mehr Zeit im Büro als irgendwo sonst. Kollegen werden zu Freunden und andere zu Konkurrenten. Man will sein Projekt schaffen, erfolgreich sein, freut sich, wenn es klappt. Der Job ist unser Alltag und bestimmt unser Leben. Warum macht man das? Weil man Geld verdienen will. Oder weil es Spaß macht. Im Idealfall trifft beides zu. Und dann geht man mit seinen Freunden feiern. Will nach der harten Arbeit etwas erleben. Work hard, play hard eben. Für dieses Lebensgefühl haben wir Business Punk gemacht.“
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12.10.2009 von admin.
„Überall brüllte es: „Deutschland!“. Man kaufte sich eine Bratwurst und der Verkäufer sagte „Deutschland“. Mich interessierte all dieses Deutschland-Geplärr einen Dreck. Sollten sie es zusammenschmeißen, sollten sie es dann vierteilen. Ich kam aus einer traditionsbewussten Verbrecher-Gegend und dort hatten wir schon immer andere Probleme.“
(Franz Dobler, Anfang der 90er Jahre)
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12.10.2009 von admin.
„Wie es zum Selbstbild der bundes-republikanischen Gesellschaft gehörte, die Deutschen seien das erste Opfer Hitlers gewesen und die Nachkriegsgesellschaft sei eine Vereinigung von Hinterbliebenen, so präsentierte sich die Bevölkerung der DDR vom Volkspolizisten bis zum Parteifunktionär als allesamt von ein paar Schurken betrogene Idealisten. Und natürlich hatten alle von nichts gewußt. Mit dieser Auskunft war auch dem letzten Zweifler im Westen klar, daß es sich bei dem Mob, der „Deutschland einig Vaterland“ brüllte, tatsächlich um die eigenen Schwestern und Brüder handelte.“
Eike Geisel, in: Kritik & Krise, Februar 1990

Foto: Leipzig im Januar 1990
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12.10.2009 von admin.
Zur Erinnerung:
Der im letzten Jahr plötzlich als “Exot” abgefeierte Ronald M.Schernikau auf dem letzten Schriftstellerkongreß der sich auflösenden DDR im März 1990 über deren Selbstpreisgabe:
“Der Sieg des Feindes versetzt mich nicht in Traurigkeit, eine Niederlage ist eine Niederlage, das sind Angelegenheiten bloß eines Jahrhunderts. Was mich verblüfft, ist die vollkommene Wehrlosigkeit, mit der dem Westen Einlaß gewährt wird, das einverständige, ganz selbstverständliche Zurückweichen, die Selbstvernichtung der Kommunisten. Ich habe jeglichen Glauben verloren!, das heißt: Ich bin bereit, mich dem Westen vollkommen zu überlassen. Kaum ist Honecker gestürzt, da lösen die Universitäten den Marxismus auf, da wirbt die DEWAG für David Bowie (immerhin), da druckt die FF dabei Horoskope und die Schriftsteller gründen Beratungsstellen für ihre Leser oder gleich eine SPD. Wo haben sie ihre Geschichtsbücher gelassen? Die Kommunisten verschenken ihre Verlage, die ungarische Regierung richtet in ihrem Land einen Radiosender der CIA ein, und der Schriftstellerverband der DDR protestiert gegen die Subventionen, die er vom Staat erhält. Sie sind allesamt verrückt geworden.“
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7.10.2009 von admin.

„(Der) alteingewöhnte Individualismus hatte … zur Folge, daß die monotone Gleichgültigkeit, mit der das gleiche Schicksal Massen von Individuen befallen hatte, diese nicht daran hinderte, an sich selbst nach wie vor die Maßstäbe der konkurrierenden Erwerbsgesellschaft anzulegen und sich selbst in Vorstellungen von individuellem Erfolg zu be- und verurteilen (…) Aber selbst diese egozentrische Bitterkeit, die individuell psychologisch gesehen das Kennzeichen einer ganzen Generation wurde, war nicht etwas, was sie gemeinsam hatten, obwohl alle individuellen Unterschiede schließlich in einem allgemeinen Ressentiment untergingen; der Egozentrismus konnte keine gemeinsamen Interessen entstehen lassen, und er war daher sehr oft mit einer typischen Schwächung des Instinkts der Selbsterhaltung verbunden. Selbstlosigkeit, nicht als Güte, sondern als Gefühl, daß es auf einen selbst nicht ankommt, daß das eigene Selbst jederzeit und überall durch ein anderes ersetzt werden kann, wurde ein allgemeines Massenphänomen“
(Hannah Arendt, aus: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft).
Selbstmordwelle bei der France Télécom —>
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29.9.2009 von admin.
Wir bedanken uns recht herzlich bei allen FDP-Wählern !
Die haben uns das hier beschert ->
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14.9.2009 von admin.
Der „Bud Spencer der Psychoanalyse“ (G.Seeßlen) Slavoj Žižek über die global verfasste Welt und die Krise der Gegenwart, manchmal etwas vereinfachend und grobschlächtig, oft jedoch auch sehr pointiert:
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